Bilder, Bilder, Bilder


"Frauenkraft - Bilder" 2023 - 2024

In dieserReihe untersuche ich verschiedene Aspekte der Frauenkraft wie Kreativität, Leben spenden, nähren und erhalten, Schönheit, Gesang, Familie, Fruchtbarkeit, Reinigung, Nahrungsgewinnung, Magie, Verbindung zur Natur

in Kombination mit verschiedenen Orten auf der Erde und den verschieden Kulturen an diesen Orten.

Beim Bildreisen erfuhr ich bisher unfaßbare Komplexität und Wirken in unfaßbar vielen Feldern, materiell und immateriell, durch alle Zeiten hindurch.

Es ist für mich sehr spannend und es braucht Geduld, da einzutauchen, um meine Skizzen entsprechend umzusetzen. Die drei Bilder sind quasi der Anfang.

Gerne widme ich mich danach auch der Männerkraft, um zu schauen was sich da offenbahrt.


"Lebensalter im Spiegel bretonischer Trachten" 2022

Ich befinde mich jetzt mit Mitte vierzig in der Mitte meines Lebes. Vielleicht ist es dieser Blick:

Auf der einen Seite auf meine Eltern am Ende ihrer Lebenszeit, auf der anderen Seite auf die nachfolgende Generation junger Menschen, der mich zum Nachdenken über die Stationen und die Endlichkeit eines Menschenlebens brachte.

Von Beginn an durchlaufen wir unsere Lebensphasen und verändern dabei ständig unsere Form. Wir sind mit drei Jahren ein anderer Mensch als mit 13, mit 30 oder mit 70. Und doch ist vielleicht im Rückblick auf Kinderfotos dasselbe Wesen erkennbar. Oder man kann in einem Kindergesicht schon in Momenten den erwachsenen Menschen erahnen.

Auf die bretonischen Trachten stieß ich letzten Sommer im Internet und war begeistert von der Vielfalt der Muster und Formen. Die Anmut und Tiefe, der auf Poskarten um 1900 Portraitierten, reizten mich, meine eigene Versionen zu malen. Glücklicherweise ist die Tradition in der Bretagne mit Musik, Tanz, Trachten bis heute lebendig geblieben und ich fand viel Material zum besseren Verständnis. Da ich diese Fülle unmöglich in einem einzigen Bild darstellen konnte, entschloß ich mich, den Anfang des Lebens, die Blüte des Lebens und die Reife des Lebens, jeweils mit den weiblichen und männlichen Exemplaren zu malen.


Naturseelen 2021

Diesen Winter ließ ich mich treiben und malte, was mir in den Sinn kam. Es geht um Leben und Tod, männlich und weiblich, Mensturation und Fruchtbarkeit, Beziehung und Natur, Kraftort und Familie. Fast noch lieber schnitzte und bemalte ich Hopi-Kachina-Figuren nach originalen Vorbildern, buk meine ersten Springerle  und Spekulatiuskekse mit Wachs- und handgeschnitzten (nicht von mir) Holzmodeln und bewunderte alte deutsche und österreichische Volkstrachten. Auch diese Forschungsfelder flossen in die Bilder mit ein.


Tierbilder 2020

In der Natur ist alles miteinander verbunden. Pflanzen, Tiere, Pilze, Wasser, Erde, Luft alles gehört zusammen und wirkt gemeinsam am großen Fest des Lebens. Diesen Winter lenkte ich meinen Fokus auf das Leben der Tiere unserer Heimat. Ob Wildtiere oder Haustiere, sie sind seit Jahrtausenden mit uns verbunden und geben uns sehr viel. Mehr als die Wurst im Fleischregal. Sie haben einen Geist und eine spezielle Art zu Leben und sie brauchen ihren intakten Raum in der Natur. Wenn man in der Stadt lebt, vergißt man leicht diese zauberhafte, poetische Welt draußen, die auch anstrengend sein kann in trockener Hitze, Kälte oder Sturm und man merkt erst, was einem fehlt, wenn man mal wieder im Wald spazieren geht.

Die Natur und ihre Wesen nähren unsere Seelen, weil sie echt sind, weil wir mit ihnen in Kontakt treten können, weil sie voller Leben sind und weil wir auch eine Form dieses Lebens sind.

 

Viele der hier dargestellten Tiere sterben gerade aus. Es ist unsere Pflicht, sie und ihre Lebensräume zu schützen und zu erhalten, für uns, für das Universum und alle, die nach uns kommen.


Energie-Bilder 2017-2019

Es gibt Dinge, die ich nicht verstehe. Ich kann sie fühlen, wahrnehmen, beobachten.

Es gibt sie und ich kann sie nicht erklären. Faszinierend sind für mich menschliche Körper mit ihrer Beschaffenheit, ihren Funktionen und Energien. Faszinierend ist für mich, wie sich unterschiedliche Energien bewegen, begegnen, verändern. Alles Lebendige ist stets im Wandel und beeinflußt sich gegenseitig.

Vom menschlichen Körper komme ich langsam zu den Planzen. Sie sind für mich eine Quelle der Formen, Farben, Düfte, Schönheit, Nahrung und Mysterien, und ich liebe sie sehr.


Seelen-Bilder

Unter Seelen-Bilder fasse ich zusammen, was immer mich innerlich bewegt. Das Malen hilft mir, über mich selbst Klarheit zu bekommen, wenn ich mit meinen Gefühlen im Nebel stehe. Es hilft mir, wenn mir etwas weh tut und wenn mich etwas sehr bewegt und ich das ausdrücken möchte. Malen hat etwas Magisches. Gesang, Tanz, Räucherstäbchenrauch, Krümel und Fasern fliessen alle mit ein. Manche Bilder möchten in der Dunkelheit weitererzählen und tiefer in ihren Bann ziehen. Dann greife ich zur Nachtleuchtfarbe und erschaffe den schönen Schein.


Peacebuilder-Bilder

Die Peacebuilder-Bilder kamen 2016 mit dem Friedensstiftergipfel in Paretz zu mir. Aus der intensiven Begegnung mit diesen besonders engagierten Menschen, ihrer Geschichte, Kultur und persönlichen Motivation für ihre Arbeit entstand diese Reihe.


Tanzbilder

Das Thema Tanz begleitet mich schon seit den späten 90er Jahren. Es bot mir eine gute Gelegenheit, Paare in intimen Posen ansprechend darzustellen. Inzwischen bin ich detail- und erzählfreudiger geworden. Die Bilder werden komplexer und sind ohne Begleittext nicht  mehr vollständig zu entschlüsseln. Getanzt wird auf der

ganzen Welt und so liegen in den nächsten Jahren noch ganze Tanzwelten zum Entdecken  vor mir.


Veranstaltungs-Skizzen

Ein knapper Meter Regalbrett ist bei mir gefüllt mit grünen Büchern. Diese wiederum sind gefüllt  mit schwarz-weißen krakeligen Zeichnungen. Ich habe jahrelang leidenschaftlich skizziert, wo immer ich war. Durch das lange Üben konnte ich meine Treffsicherheit erhöhen.  Ich zeichne gerne bei Veranstaltungen, als Alternative zur fotografischen Dokumentation.



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Text-Bilder

Unterwegs fällt es mir schwer, mit Pinsel, Palette und Malbrett, Wasserglas, Bindemittel und zweiundzwanzig Farbdosen schnell ein Bild zu erschaffen. Mit den leicht zu transportierenden Worten geht es schon besser. Wenn mich die poetische Muse küßt, habe ich meine Freude daran, mein Empfinden in Texten auszudrücken und es so mit anderen zu teilen.

2020


Zweiter Oktober

 

Zweiter Oktober

warmer Abend

leichter Wind biegt Sonnenblumen

erste braune gelbe Blätter zwischen Grün

Sonne im Bleiglanz

hinter taubenblauen stillen Wolken

der Fluß meditiert kopfüber die Weide

nächster Halt: Kirche Uetz

schwarzgrüner Wald

wir fahren ins Abendgold

morgen früh zaubert der Graul

tausende Tröpfchen verschwebt

über Mutter Erde

bringt Fruchtbarkeit und Pilz

Entstehen und Vergehen

schläft der Sanddorn im Wiesenbett

träumt der Kohl im Feldbett

ruht die Gärtnerin im Federbett.

 

(c) Anja Mattenklott, 02. Oktober 2020

Abendmoment

 

Es leuchtet

das Rot der Bussitze

das Gelb der Haltestangen

das Grün der Felder

das Ocker des Winterlaubs

das Creme der Dorfhäuser

das Braun der Stämme

das Auge der Aue

die Rinde der Birken

die MIlch des Mondes

das Gold der Sonne

das Licht des Himmels

der Trieb der Linden

 

lange Schatten

 

die Kirschbäume unter Beregnung

 

steigt der Mond

sinkt die Sonne

kosmische Wippe

ich schaue aus der Mitte

und staune

die Welt ist schön

und trocken.

 

(c) Anja Mattenklott, 06. April 2020


Frühlingsanfang mit C.

 

Wir sitzen im Bus.

Am Ende ist der Garten.

Die Erle fiel um.

Zu viert zerlegen wir sie.

Vier Träger von Viren.

Menschen sollen zu Hause bleiben.

Im Frühling.

Kein Klopapier, keine Nudeln.

Keine Kartoffeln.

Abstand halten.

In den Ellenbogen husten.

20 Sekunden lang Hände waschen.

Die Seuche beschäftigt drei Kontinente.

Dauer ungewiß.

 

 

(c) Anja Mattenklott, 21. März 2020

Frühlingsabend

 

Aprilsonne

abend

um mich das Land

fast weißes Blau

die Bäume noch kahl

feinnervige Silhouetten

die Felder in goldenem Grün

 

in der Stadt ist es still

leere Sraßen

den ganzen Tag

die Ruhe einer längst vergessenen Zeit

 

Eine Generation ist bedroht

viele gestorben

Zeugen eines Lebens, das es nicht mehr gibt.

 

In meinem Garten

treiben die Erdbeeren

und sehen die Sonne

wie ich

 

 

(c) Anja Mattenklott, 03. April 2020


Eingebung

 

wenn die blaue Wolke stirbt

geht das Wasser weg

das Leben ist und bleibt

in der Veränderung

wir schwimmen, sinken sehen

durch Wasser

mit offenen Augen

sehen die Welt  und sinken

 

 

(c) Anja Mattenlott, Potsdam, 24. Januar 2020


2019


angenommen

 

Blau ist unsere Farbe

Unsere Augen, Deine Haare.

Von einem Stern - zwei Welten.

Polarblütenpollen schweben.

Sinken still in Naben.

Die Körper wissen 

vor dem Verstand.

Atemvergessene Ewigkeit.

Du gibst mir Deine Hand.

Ich habe - Du hast mich - angenommen.

 

 

(c) Anja Mattenklott, Potsdam, 22. April und 1. Mai 2019

 


2018


Nullpunkt

 

bis jetzt kein zu Hause

auf dem Weg arrangiert,

stiller Zug zur Zuflucht:

Straßenzimmer

Tabak Hopfen Bohnenguß

unter Menschen

still sein, am Nullpunkt.

 

Zugewandt der Leib

Augen Haare blau

sprechend fühlend

verstehen und wissen

nichts wollen

nur sein

wesentlich

präsent

 

wendepunkt

autonomischer Aufbruch

vienniesischer  Schmähblick

betrunkene Küsse

"Es ist wie es ist."

Ich glaube garnichts.

"Und nun??"

 

Das Ende vom Anfang.

 

 

(c) Anja Mattenklott, Potsdam, 18. September 2018

 

 

Innere Waschbar

 

In dunkler Schenke

Warten auf die Backkartoffel

Weiche Streicher und Blues

Waschmaschinen mit Namen

Hugo, Olga, Susi, Rita

Abendlichtglitzernder Zuckerstreuer

Kakteen und Engel

Tattoos und Sonnenbrillen

Wasserrauschen

Diskokugel

Ich werde einen

Galao bestellen.

Große graue Trockner heißen

Elvis, Buddy, Bill.

Der Galao ist da.

Portugiesischer Kaffee - stark,

in geschäumter Milch aufgekocht.

Urlaubsgeschmack.

Auf der anderen Straßenseite:

mein neues Zimmer.

 

 

(c) Anja Mattenklott, Potsdam, 23. April 2018


Neue Möglichkeit

 

Ich steige zur Bäckertür

Erleuchtete Kekse

Gediegene Meisterbriefe

Stachelbeerkuchen

mit Zuckergußgitter

Jetzt bin ich dran:

"Zwei Knüppel und ein Nußtörtchen"

Gewalt und Wonne.

Hinter der Tür ein breites Grinsen

Das Glück, früh zum Bäcker zu können.

 

(c) Anja Mattenklott, 27. April 2018

weit gegangen

 

Müde Füße berühren sich

ich beschließe,

nicht mehr zu schreiben.

Es sei denn, er meldet sich.

Eigentlich wär ich dran.

Es hat keinen sinn für mich.

Zuviel Theorie.

Zuwenig Praxis.

Müde Füße kommen hier nicht weiter.

Wo die Liebe nicht hinfällt,

wächst kein Kraut.

 

 

(c) Anja Mattenklott, 24. April 2018

 


Erster Tag im Jahr

 

Sonnenlicht reinigt das Dunkle,

irritiert meine Höhlenaugen,

treibt mich hinaus

 

ich stelle die Weichen

 

überrreiche den Schmerz

wie ein Gedicht

wie ein nacktes Junges

zum stillen Verstehen

 

inzwischen zart

Wurzel und Keimblatt

mäandern ihre Wege

ins Lebensspiel

 

 

(c) Anja Mattenklott, Paretz, 04. Januar 2018


2017


Aneinander

 

Dreiviertel Mond über Kopf ins Aug´

denk´ ich an dich,

wie oft an den Tag:

ich kam...

du warst...

dacht´ ich an dich

deine Stimme

wußte nicht, traute nicht,

rief nicht, wartete

der Moment - noch nicht.

 

Fuhr ich heim

fuhrst du fort

gleichzeitig

ungesehen

ungespürt

vorbei

der Moment - zu spät

du riefst mich

 

vorbei

 

 

(c) Anja Mattenklott, Wredenhagen, 29. Dezember 2017

 

 

Immersinn

 

Unter der inneren Rinde

mein Kambium wächst

 

zum Basthemdchen

zum Borkenrock

zu Splintstiefeln

mein Kambium wächst

 

ins Innere, ins Äußere

stärkend und grenzend

mein Kambium

 

Lebensfadenhaut

 

Pechlerberührt,

gerötet, geschabt,

gerissen, gerillt

mein Balsam fließt

 

fließt durch dich an dich für dich

trage ich

nackte Narben immerfort

 

 

(c) Anja Mattenklott, Wredenhagen, 29./30. Dezember 2017


Verloren

 

Im knisternden Schaum

auf wärmendem Grund

von Faszien gefaßt

in Dunkelheit

 

das zitternde Herz

 

Die Zeit zieht den Teppich fort

Nacktheit ohne Nest

ohne gehe ich

neben Dämmerfeldern,

überholt,

überlassen.

 

Vom Nichts zum Etwas

kann es kurz sein.

Ich tanze gegen meine Einsamkeit.

In meiner Welt

ist es still.

 

 

(c) Anja Mattenklott, Paretz, 27. Dezember 2017